In ihrem aktuellen Friedensappell zeigt sich die EMS tief besorgt über das Leid der Zivilbevölkerung in Gaza, im Libanon und im Westjordanland. Die Organisation ruft alle Verantwortlichen dazu auf, sich für ein Ende der Gewalt einzusetzen und neue Perspektiven für ein friedliches Zusammenleben zu eröffnen. Gleichzeitig verurteilt sie jede Form von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen – unabhängig davon, von welcher Seite sie ausgehen.
Besondere Aufmerksamkeit richtet die Evangelische Mission in Solidarität (EMS) auf das Schicksal von Natalie Abu Dayyeh Die Sorge um die evangelisch-lutherische Christin aus Beit Jala bei Bethlehem wächst. Die Studentin der Birzeit-Universität bei Ramallah wurde in der Nacht zum 2. Juni von israelischem Militär aus ihrem Studentenwohnheim heraus festgenommen und befindet sich seither in Haft.
Nach Angaben der Familie wurde Natalie inzwischen in ein Frauengefängnis im Norden Israels verlegt. Diese Entwicklung belastet die Angehörigen zusätzlich. Als Bewohner der besetzten palästinensischen Gebiete benötigen ihre Eltern eine besondere Genehmigung, um nach Israel einreisen und ihre Tochter besuchen zu können. Nach aktuellem Stand ist nicht damit zu rechnen, dass eine solche Erlaubnis erteilt wird. Die Eltern hatten gehofft, Natalie zumindest persönlich sehen zu können, solange sie in der Nähe von Ramallah inhaftiert war. Nun erscheint selbst diese Möglichkeit ausgeschlossen.
Die Familie ist in großer Sorge um das Wohlergehen ihrer Tochter. Besonders beunruhigt sie Berichte über Übergriffe gegen Inhaftierte in dem Gefängnis, in das Natalie verlegt wurde. Bisher war lediglich ein Videogespräch möglich; ein persönlicher Kontakt konnte nicht stattfinden.
Natalie und ihre Familie gehören zur evangelisch-lutherischen Reformationskirche in Beit Jala. In ihrer schwierigen Situation wünscht sich die junge Frau geistlichen Beistand durch ihren Pfarrer Ashraf Tannous, zu dem sie seit vielen Jahren ein vertrauensvolles Verhältnis hat. Da Pfarrer Tannous als Einwohner Jerusalems die Möglichkeit hätte, ein Gefängnis innerhalb Israels zu besuchen, hofft die Familie, dass ihm ein Besuch bei Natalie gestattet wird. Besonders wichtig wäre für sie die Möglichkeit, gemeinsam zu beten und ihr in dieser belastenden Situation seelsorglich beizustehen.
Natalie Abu Dayyeh befindet sich nach Angaben ihrer Unterstützer weiterhin in sogenannter Administrativhaft. Dabei können Menschen ohne Anklage und ohne Gerichtsverfahren für längere Zeit inhaftiert werden. Nach israelischem Militärrecht kann eine solche Haft zunächst für sechs Monate angeordnet und anschließend wiederholt verlängert werden. Menschenrechtsorganisationen kritisieren diese Praxis seit Jahren. Nach ihren Angaben sind neben Natalie zahlreiche weitere Palästinenserinnen und Palästinenser, darunter auch Minderjährige, von Administrativhaft betroffen.
Der Fall Natalie Abu Dayyeh steht für viele Familien, die unter den Folgen des Konflikts leiden und oft über lange Zeit in Ungewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen leben müssen. Die Familie bittet um Gebet und hofft auf ein baldiges Wiedersehen mit ihrer Tochter.
Die EMS fordert die Freilassung von Natalie Abu Dayyeh und verweist auf die Bedeutung von Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten. Ihr Fall steht für viele persönliche Schicksale, die im Schatten des Nahostkonflikts oft kaum wahrgenommen werden.
Die humanitäre Hilfe der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sowie der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) wird über die EMS und deren Partnerorganisationen in der Region bereitgestellt. Die Mittel sollen Menschen zugutekommen, die durch Krieg, Vertreibung und die Folgen der anhaltenden Konflikte in Not geraten sind. Unterstützt werden unter anderem kirchliche Einrichtungen und Hilfsprojekte, die betroffene Familien begleiten und versorgen.
Die Kirchen betonen, dass humanitäre Hilfe und Friedensarbeit untrennbar zusammengehören. Mit ihrer Unterstützung wollen sie akute Not lindern und zugleich ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen in der Region setzen. Frieden, Gerechtigkeit und die Achtung der Menschenwürde seien die Grundlage für eine nachhaltige Zukunft im Nahen Osten.
Weitere Informationen und Unterstüzungsmöglichkeiten unter ems-online.org/unterstuetzen/hilfe-nahost