Trauer um Diether Heesemann - Brückenbauer für Menschenwürde, Dialog und Verständigung

veröffentlicht 06.08.2026, Zentrum Oekumene

Der engagierte Ökumeniker verstarb am 3. August.

Mit Diether Heesemann verliert das Zentrum Oekumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), die Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach sowie die Stadtgesellschaft eine Persönlichkeit, die die ökumenische, interkulturelle und interreligiöse Arbeit unserer Kirche über Jahrzehnte maßgeblich mitgestaltet und weit über die kirchlichen Grenzen hinaus gewirkt hat.

Diether Heesemann, Diplom-Soziologe und in den 70er Jahren Studentenpfarrer in Frankfurt, übernahm in den 1980er Jahren die Leitung der Ökumenischen Werkstatt der EKHN. Dort setzte er früh Impulse für eine Kirche, die gesellschaftliche Veränderungen nicht nur beobachtet, sondern aktiv mitgestaltet. Unter seiner Leitung entstand unter anderem ein interkulturelles Fortbildungsprogramm für die Bundespolizei am Frankfurter Flughafen. Zugleich engagierte er sich in Fragen globaler Gerechtigkeit, etwa im Zusammenhang mit der Schuldenkrise und der Erlassjahr-Kampagne, und gehörte zu den Mitbegründern des Round Table Tansania.

Mit der Zusammenführung der Ökumenischen Werkstatt und des Amtes für Mission und Ökumene zum Zentrum Ökumene der EKHN blieb Diether Heesemann als Beauftragter für interkulturelle Fragen bis zu seinem Ruhestand 2003 eine prägende Kraft. Sein Blick war dabei stets auf die Menschen gerichtet: auf gelingendes Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft, auf den Schutz der Menschenwürde und auf die Verantwortung der Kirche, Brücken zu bauen.

Kaum jemand war in Frankfurt so eng mit den Themen Migration, Flucht, Integration und interreligiöser Verständigung verbunden wie er. Über Jahrzehnte brachte er seine außergewöhnliche Sachkenntnis im Ausländer- und Asylrecht in die Beratung von Geflüchteten ein. Als Mitbegründer des Frankfurter Rechtshilfekomitees für Ausländer engagierte er sich seit 1978 ehrenamtlich und blieb dieser Aufgabe bis ins hohe Alter verbunden. Sein Einsatz galt stets den Menschen, die Orientierung, Rechtsschutz und eine Stimme brauchten.

Bei der Verleihung des Integrationspreises der Stadt Frankfurt im Jahr 2005 brachte Diether Heesemann die Haltung, die sein Wirken prägte, in einem einfachen Satz auf den Punkt: „Niemand ist rechtlos.“ Dieser Satz war für ihn weit mehr als ein rechtlicher Grundsatz. Er war Ausdruck seiner tiefen Überzeugung, dass jedem Menschen Würde zukommt und dass Teilhabe, Gerechtigkeit und der Zugang zum Recht Voraussetzungen für ein gelingendes Zusammenleben sind.

Ebenso nachhaltig wirkte er im interreligiösen Dialog. Er begleitete die Gründung des Rates der Religionen Frankfurt, arbeitete in zahlreichen Gremien mit und öffnete vielen den Weg zu tragfähigen Beziehungen mit den Religionsgemeinschaften der Stadt. Für die interreligiösen Beauftragten des damaligen Zentrums Ökumene der EKHN und später des gemeinsamen Zentrums Oekumene von EKHN und EKKW war er ein verlässlicher Türöffner, Berater und Netzwerker. Seine Kontakte, seine Beharrlichkeit und seine Fähigkeit, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, haben die interreligiöse Arbeit in Frankfurt und darüber hinaus nachhaltig geprägt.

Sein Wirken blieb auch außerhalb der Kirche nicht unbeachtet. 2005 wurde das Frankfurter Rechtshilfekomitee mit dem Integrationspreis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet. 2010 erhielt Diether Heesemann die Spenermedaille für sein langjähriges Engagement für Migrantinnen und Migranten sowie für den christlich-muslimischen Dialog. 2023 ehrte ihn die Stadt Frankfurt mit der Bürgermedaille für sein jahrzehntelanges Wirken für Integration, interreligiöse Verständigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Auch nach seinem Ruhestand blieb Diether Heesemann in den Netzwerken der Stadt präsent, brachte seine Erfahrung ein, bezog Stellung zu gesellschaftlichen Entwicklungen und blieb ein geschätzter Gesprächspartner weit über kirchliche Kreise hinaus. Sein Engagement war geprägt von fachlicher Kompetenz, großer Beharrlichkeit und einer tiefen christlichen Überzeugung, dass jeder Mensch Würde besitzt und Teil unserer Gesellschaft ist.

Zum 20-jährigen Jubiläum des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten (AmkA) formulierte er einen Gedanken, der sein eigenes Lebenswerk treffend zusammenfasst: „Jetzt nicht verharren: Spielräume ausloten, Grenzen überschreiten!“ Dieses Leitmotiv bestimmte sein Handeln– in der Kirche ebenso wie in der Stadtgesellschaft, in der Migrationsarbeit ebenso wie im interreligiösen Dialog.

Wir nehmen Abschied von Diether Heesemann und sind dankbar für sein Lebenswerk und für die Spuren, die er in unserer Kirche und in der Stadt Frankfurt hinterlassen hat.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm verbunden waren.

Sein Einsatz für Menschenwürde, Gerechtigkeit und Verständigung hat unsere Kirche und die Stadt Frankfurt nachhaltig geprägt. Was er aufgebaut, angestoßen und anderen ermöglicht hat, wird weiterwirken. Möge seine Erinnerung zum Segen werden – und sein Vermächtnis uns ermutigen, den Weg des Dialogs, der Offenheit und des Brückenbauens weiterzugehen.