William Jourdan zum neuen Moderator der Waldenserkirche gewählt

veröffentlicht 01.09.2026, Zentrum Oekumene

EKHN-Delegation mit Stellvertretender Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf war vor Ort.

Die gemeinsame Synode der Evangelisch-Methodistischen Kirche und der Waldenserkirche in Italien hat William Jourdan zum neuen Moderator der Tavola Valdese gewählt. Die Wahl erfolgte am Ende der Synode vom 22. bis 26. August 2026 in Torre Pellice. Jourdan übernimmt das Amt in einer Phase des Umbruchs für die Waldenserkirche.

Vor seiner Wahl hatte sich Jourdan in Gesprächen mit Ulrike Scherf, stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), und der Referentin für die Partnerkirchen in Europa und den USA am Zentrum Oekumene der EKHN und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), Pfarrerin Kathrin Mantey, ausgetauscht. Im Mittelpunkt stand die Anpassung der kirchlichen Strukturen an die veränderten Rahmenbedingungen. Jourdan betonte dabei die Gefahr, dass in einem dünner werdenden Gemeinde-Netz die Verbundenheit innerhalb der Kirche schwächer werden könnte. Gerade für die waldensische Minderheitenkirche, die sich über ein starkes Gemeinschaftsgefühl und soziales Engagement definiert, sei dies eine zentrale Herausforderung.

Ulrike Scherf gratulierte William Jourdan im Namen der EKHN herzlich zu seiner Wahl und betonte die Bedeutung der partnerschaftlichen Verbundenheit beider Kirchen: „Gerade in Zeiten des Umbruchs und der Veränderung bewährt sich, dass wir als Kirchen partnerschaftlich miteinander verbunden sind und an eine langjährige gute Zusammenarbeit anknüpfen können.“

Die Synode in Torre Pellice ist dem alten Motto der Waldenser verpflichtet: „Lux lucet in tenebris“„Das Licht scheint in der Finsternis“, an das Ulrike Scherf in ihrem Grußwort an die Versammlung erinnerte. Sie überbrachte im Namen von EKHN-Kirchenpräsidentin Christiane Tietz herzliche Grüße und Segenswünsche. In ihrer Ansprache würdigte Scherf das Engagement der Waldenserkirche für Geflüchtete, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte. Besonders beeindruckt zeigte sie sich davon, wie eine zahlenmäßig kleine Kirche wie die der Waldenser mit klaren Worten weithin hörbar sei. Dies gebe auch der EKHN Mut, die eigenen Herausforderungen anzunehmen.

Ein besonderer Moment der Synode war der Abschied von Alessandra Trotta, die als Moderatorin maßgeblich die Partnerschaft zwischen der EKHN und der Waldenserkirche geprägt hatte. Scherf dankte ihr für ihre klaren Worte, geistliche Tiefe und menschliche Wärme.

Im Rahmen der Synode führte die EKHN-Delegation zudem ein Gespräch mit Alessia Passarelli, Leiterin des Collegio Valdese, der weiterführenden Schule der Waldenser in Torre Pellice. Thema waren die in Italien im Vergleich zu Deutschland deutlich geringeren Staatsleistungen, auch im Bildungsbereich. Hier sahen die Gesprächspartner*innen Parallelen zu den eigenen Herausforderungen der EKHN, etwa bei der Finanzierung ihrer weiterführenden Schulen. Aktuell engagieren sich viele Waldenser zudem in einer Kampagne für den Wiederaufbau der Bahnstrecke nach Torre Pellice, deren Planung kurzfristig gestoppt wurde. 

Die EKHN und die Waldenserkirche verbinden eine jahrzehntelange Partnerschaft, die sich auch in den Waldenser-Gemeinden in Hessen und Nassau widerspiegelt, etwa in Walldorf, Dornholzhausen, Rohrbach, Wembach und Hahn.